Regiswindiskirche Lauffen

  • Lauffen am Neckar

Schon von weither sichtbar ist das Wahrzeichen von Lauffen, die altehrwürdige Regiswindiskirche auf dem Felsen hoch über dem Neckar.

Die erste Kirche in Lauffen wird schon ums Jahr 700 erwähnt. Sie ist dem heiligen Martin geweiht und stand am selben Ort wie die heutige Regiswindiskirche auf dem Kirchberg an der linken Neckarseite. Diese Kirche ist Teil eines fränkischen Königshofes, einer befestigten Anlage, mit der die Franken die Herrschaft über die Alemannen sicherten.

Im Jahr 832 wird dieser Königshof an einen der mächtigsten Großen des fränkischen Reiches, den Grafen Ernst vom Nordgau (= Bayern) vergeben, einen Schwiegersohn von Kaiser Ludwig dem Frommen. Um das Jahr 840 wird dessen kleine Tochter Regiswindis ermordet. Rasch wird ihr Grab zu einer Art Wallfahrtsstätte und der zuständige Diözesanbischof Humbert von Würzburg (833 - 842) erlaubt schon wenig später die kultische Verehrung der Märtyrerin und errichtet einen Kirchenneubau. Diese Kirche ist jedoch, wie auch ein weiterer Neubau ums Jahr 1100, immer noch dem heiligen Martin geweiht. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Wallfahrt zum Grab der Regiswindis so umfangreich geworden, dass man 1227 den Grundstein für eine große gotische Basilika legt. Von der Planung her ist also Lauffen wohl eine der ersten gotischen Kirchen in Deutschland. Im selben Jahr wird auch ein Steinsarkophag hergestellt, in den die Gebeine der heiligen Regiswindis gelegt werden, die man durch Gucklöcher betrachten kann. Etwa 100 Jahre später ist das Gebäude mit hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen fertig gestellt.

Im Chor befindet sich der Steinsarg der Regiswindis, der 1521 durch einen silbernen Schrein ersetzt wird. In der Reformation wird dann der größte Teil der Kirchenschätze eingezogen. Regiswindis aber, deren Legende auf fünf großen Tafeln dargestellt ist, die im Chor der Kirche hängen, bleibt in Lauffen unvergessen. Noch lange erhalten Lauffener Mädchen den Namen Regiswindis und am Regiswindis-Tag, dem 15. Juli, werden Knechte und Mägde eingestellt und ist die Pacht fällig.

1564 werden große Teile des Kirchenschiffs durch Blitzschlag zerstör, doch der Chor blieb erhalten. Bis 1567 wurde sie auf den Resten des Vorgängers zur spätgotischen Hallenkirche umgebaut. Die Seitenschiffe werden mit den zum Teil vom Brand geröteten Steinen erhöht. Dies ist an der Außenwand deutlich erkennbar. Außerdem erhielten sie auch höhere Fenster und brachten so mehr Licht ins Gotteshaus.
Ein Fenster an der Südseite stammt noch von der alten basilikalen Anlage. Innen wird die Kirche im ornamentalen Stil der Renaissance ausgeschmückt; diese Bemalung wird bei der letzten großen Renovierung 1957 wieder hergestellt.
Noch bis ins 17. Jahrhundert werden vornehme, vorwiegend geistliche Personen im Chor beigesetzt.

Lauffen gehört zu den württembergischen Städten mit sehr alten kirchenmusikalischen Traditionen. Soweit die Kirchenbücher zurückgehen, wird schon immer am Sonntagmorgen ein Choral von den Bläserbalkonen des Kirchturms gespielt und gibt es schon immer so etwas wie einen Kirchenchor. 1480 wird die erste Orgel in die Regiswindiskirche eingebaut. Das Gehäuse der heutigen Chororgel mit einem schönen barocken Prospekt stammt aus dem Jahr 1701. Sie dient heute als Fernwerk, kann aber auch bei Gottesdiensten im Chor gespielt werden; ebenso wird sie als Begleitinstrument bei Kirchenkonzerten benutzt, die regelmäßig stattfinden. Die große Hauptorgel mit drei Manualen wird von 1969 - 1976 eingebaut.

Im Kirchgarten steht die Regiswindiskapelle, in der sich von 1882 bis heute der Steinsarkophag der Regiswindis von 1227 befindet, wodurch die Kapelle auch ihren Namen erhielt. Ursprünglich hieß sie eigentlich St. Anna-Kapelle. Die Krypta diente als Ossuarium, also Beinhaus, in der die Gebeine der Toten aufbewahrt wurden. Erst 1901 wurden die Gebeine ausgeräumt und bestattet. Bemerkenswert sind auch die sechs Sonnenuhren aus verschiedenen Epochen an der West-, Süd und Ostseite der Kirche. Und im Kirchgarten steht eine große wunderschöne Kirchenlinde, die im Jahr 1817 nach den vorhergehenden Hungerjahren als Hungerlinde gepflanzt wurde.

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Auf der Karte

Regiswindiskirche Lauffen

Kirchbergstraße 16

74348 Lauffen am Neckar



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